Pressebericht Edith Stein Tagung 2017

Christoph Ernst Wottawa am 04. November 2017
Pressebericht Edith Stein Tagung 2017

Das Ich und seine Grenzen

Jahrestagung der Edith Stein Gesellschaft Österreich (ESGÖ)

20./21. Oktober 2017

Thomassaal des Dominikanerklosters, 1010 Wien, Postgasse 4

 

Die Frage nach der menschlichen Person, ihrer Individualität, ihrem Geheimnis und ihrer Erkennbarkeit durchzieht das ganze Schaffen der Philosophin Edith Stein (1891-1942), angefangen von ihrer Dissertation Zum Problem der Einfühlung bis hin zu ihrem Hauptwerk Endliches und ewiges Sein.

Wie Stein selbst in ihren Untersuchungen den gesteckten Horizont immer mehr erweitert, so hat auch die diesjährige Tagung der „Edith Stein Gesellschaft Österreich“ (ESGÖ) dieses Thema in weitergreifende Zusammenhänge gestellt und von den verschiedensten – auch ganz aktuellen – Blickwinkeln her zu beleuchten gesucht.

An Stelle von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, die aus familiären Gründen kurzfristig absagen mußte, nahm sich P. Dr. Roberto Maria PIRASTU OCD in seinem Eröffnungsvortrag des Themas Von den Grenzen des Ich zur „Liebe ohne Grenzen“ an und zeichnete an Hand des Lebensweges Edith Steins den Weg von der schmerzhaften Erfahrung der menschlichen Grenzen über die sich im Wählen-Können aktualisierende Freiheit bis hin zur mystischen Erfahrung eines in der Tiefe letzten Gehalten-Seins. Der Psychiater und Psychotherapeut Prim. Dr. David OBERREITER (Linz) widmete sich den Störungen der Ichgrenzen, wie sie z.B. im Krankheitsbild der Schizophrenie auftreten, und Dr. Malgorzata BOGACZYK-VORMAYR (Salzburg – Posen) thematisierte den Posthumanismus im Lichte der Anthropologie Edith Steins. Dr. Regina WILLI (Univ. Wien) ging der Figur des Fremden in der Bibel nach, Dipl.Theol. Stefan LORGER-RAUWOLF zeigte in seinem Referat „Und was kommt dann?“ die bunte Palette der Jenseitsvorstellungen und „kulturreligiösen“ Hoffnungskonzepte beim Überschreiten der „letzten Grenze“ im Tod auf, und Manuel BAGHDI von „SOS Mitmensch“, mit der Situation des „Flüchtlings“ seit Jahren hautnah konfrontiert, sprach in „Grenzen – Identität – Integration“ sowohl prinzipielle Überlegungen als auch aktuelle Erfahrungen an.

Die durch MMag. Renate TOLUNAY moderierten, durchwegs gut besuchten Vorträge wurden durch eine Podiumsdiskussion unter der Leitung von P. Dr. Martin MAYERHOFER FSO (Katholische Hochschulgemeinde Wien) abgeschlossen, wobei die zahlreichen Wortmeldungen aus dem Publikum eindrücklich das Interesse an den aufgeworfenen Fragen bekundeten. 

(Elisabeth Maier)

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